Weltbilder (Seite in Bearbeitung)

Diese Präsentation ist das Ergebnis eines Seminares des Sommersemesters 2022 im Master Kunstwissenschaft der TU. Das Seminar widmete sich dem Zusammenhang von globaler Politik und Kunst im langen 19. Jahrhundert. Es ging darum, wie mit der Kunst Weltbilder und Ideen von Fremd- und Andersheit verhandelt und konstruiert werden. Quer durch verschiedene Berliner Museumssammlungen und mit Bezügen zu anderen Orten wie dem Berliner Zoo, untersuchten wir diese Frage vor allem an Gemälden. Ziel des Seminares war die Erstellung einer kritischen Bilddatenbank.

Bereits vor dem 19. Jahrhundert beschäftigen sich reisende Europäer*innen mit der Darstellung der Welt durch Landschaftsmalerei. Künstler*innen - aber auch Verfasser*innen von Reiseberichten - diskutieren Definitionen des Pittoresken und Sublimen und formulieren damit kulturelle und ästhetische Erwartungen an Repräsentationen der 'Natur'. 'Unberührt', 'Enttäuschend', 'Transformierbar': Solche und andere Definitionen von Natur finden sich in Gemälden und Texten wieder und illustrieren Sehgewohnheiten, Machtverhältnisse und Aneignungsfantasien - gerade im Kontext außereuropäischer Landschaften.

Zuckerrohrplantage von San Esteban bei Puerto Cabello (1842-1845)

02 Zuckerrohrplantage

Bei dem Gemälde handelt es sich um eine Ölstudie einer Zuckerrohrplantage in San Esteban des Künstlers Ferdinand Konrad Bellermann. Diese pittoreske Darstellung vermittelt den Eindruck eines paradiesischen und Idylls. Bei genauerer Betrachtung kann uns die Malerie jedoch Auskunft über vorherrschende Arbeits- und Machtverhältnisse geben. Zu sehen ist eine Landschaft die durch Landwirtschaft, Kolonialismus und Sklavenarbeit geprägt ist, aufgrund der idealisierten Darstellung der Natur ist dies jedoch erst bei genauerer Betrachtung zu erkennen. Es stellen sich hierbei Fragen, wer die Rezipient*innen dieses Gemäldes waren und innerhalb welchen Kontext es mit welchem Zweck ausgestellt wurde.

02 Zuckerrohrplantage

Arbeiter*in, Versklavung

Natur, Idealisierung, Sehnsuchtsort

Machtverhältnisse

Inzenierte Darstellung Indigener Völker

Agrartechnik, Plantagen

Botanik

Zuckerrohranbau

Schon zu Lebzeiten wird Alexander von Humboldt (1769-1859) als Kosmopolit, Weltreisender und 'Weltversteher' gehandelt. Seine Reisewerke sind weit verbreitet und prägen öffentliche und private Debatten zu den Künsten, Wissenschaften und Definitionen der Welt und des Kosmos. Auch fördert er reisende Künstler und setzt sich politisch für die Etablierung einer Sammlung von 'Weltbildern' im Kupferstichkabinett Berlin ein.

Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Fuß des Vulkans Chimborazo (1810)

Humboldt Bonpland Chimborazo

Das Werk zeigt Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland während ihrer Expedition zum Vulkan Chimborazo. Innerhalb des Gemäldes verwirklicht sich der Entdeckergedanken, des Auftraggebers, unter anderem durch naturalistische Darstellung der Flora und Fauna, sowie der bei der Expedition verwendeten Werkzeuge und Messgeräte. Neben der kosmopolitischen Darstellung Humboldts lassen, sich jedoch auch Machtverhältnisse und Gruppenhierarchien innerhalb der Expeditionsgruppe erkennen.

Humboldt Bonpland Chimborazo

Idealisierte Naturdarstellung

Geologie

Inzenierung, Indigene Völkerdarstellung

Messgeräte, Werkzeuge

Machtverhältnisse, Geografische Darstellung von Südamerika

Entdeckergedanke, Konstruierte idealisierte Wirklichkeit

Naturforschung, Botanik, Dokumentatin, Idealisierung, detaillierte Darstellungsweise der Umwelt - ethnografischer Anspruch an das Gemälde

Von Reisebildern zum Reisen daheim: Mit der Verbreitung von Darstellungen der 'Welt' im 19. Jahrhundert nehmen auch die Möglichkeiten zu, das 'Fremde' 'zuhause' erleben. Fantasien des 'Tropenwaldes' spielen im Kontext von Berlin dabei eine besondere Rolle, nicht nur durch das Wirken von Alexander von Humboldt. Auf der Pfaueninsel eröffnet König Wilhelm III. 1832 ein Palmenhaus, das der Künstler Carl Blechen in mehreren Ölgemälden darstellt. Eine private Aktiengesellschaft betreibt von 1874 bis 1904 das Palmenhaus "Flora" in Charlottenburg, einer Vergnügungsstätte mit Bühne, Restaurant und Festsaal.

Das Innere des Palmenhauses (1832/1833)

Gemälde Palmenhaus von Carl Blechen

Das Werk zeigt einen sonnendurchfluteten gläsernen Raum mit tropischen Pflanzen und lagernden Odalisken. Bei dem Werk handelt es sich um eine Ölstudie, die der Künstler neben vielen weiteren Zeichnungen schuf und auf die exotischen Pflanzen der Pariser Palmensammlung Foulchiron von Friedrich Wilhelm III. zurückzuführen ist, für die der König 1830 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels ein Palmenhaus auf der Pfaueninsel bei Potsdam errichten ließ. Das an ein Gewächshaus erinnernde Werk zeichnet sich durch harmonische warme Farben aus und betont die Faszination und physischer Aneignung fremder Natur in der eigenen Heimat, bei der er sich in diesem Beispiel um einen inszenierten kultivierten „Urwald“ handelt. Die Ergänzung der Inszenierung von liegenden Odalisken im Bild unterstreicht die Exotisierung und den Orientalismus.

Die Ansicht erinnert an die Postkarte des Palmenhauses Flora:

Titel

Postkarte Palmenhaus Flora
Bildbeschreibung
Gemälde Palmenhaus von Carl Blechen

Exotisierung, Orientalismus, indisch gekleidete Frauen

Eisen-Glas-Konstruktion, Industrialisierung, Inszenierung

Palmenhaus

kultivierter "Urwald" - physische kulturelle Aneignung

Postkarte Palmenhaus Flora

Fremdheitsgefühl

Botanik aus In- und Ausland

Inszenierter Vergnügungsort, Kommerzielle Nutzung

Titel

Ägyptensaal
Bildbeschreibung
Ägyptensaal

Wunschprojektion

Ägyptische Mythologie

Öffentliche Präsentationsraum, Bildungsauftrag

Fremdheitsgefühl

Einführungstext

Antilopenhaus Zoologischer Garten

Antilopenhaus Zoologischer Garten
Bildbeschreibung
Antilopenhaus Zoologischer Garten

Leinwandreproduktion auf Fliese

"Primitive Waffe"

Halbnackter muskulöser Jäger - erotisierende rassifizierende Darstellung

Tote Antilopen im Gegensatz zu lebenden im Zoo - Europäisches Rettungsnarrativ

Ort: Antilopenhaus im Zoo, Raum für imperialistische Repräsentation

Fiktive Jagdszene, Künstler war nie auf dem afrikanischen Kontinent

Titel

Gemälde Löwe an der Tränke von Kuhnert W

Bildbeschreibung

Gemälde Löwe an der Tränke von Kuhnert W

Jägerperspektive vs. Malerperspektive, der Maler war selbst Jäger

Tier im Habitat, Jagdbeute

Realitätsanspruch, Inszenierung

Titel

Jagdausstellung

Bildbeschreibung

Jagdausstellung

Werbung für Kolonien

Jagdtrophäe

Selbstdarstellung, Heroisierung

Einführungstext

Titel

Gemälde von Raden Saleh
Bildbeschreibung
Gemälde von Raden Saleh

Orientbild in der Romantik

Inszenierte Emotionalität der Tiere

Aggressivität/Angriff - Gewaltdarstellung, Rassismus, Tod

Kodierung von Farbe?

Titel

Gemälde von Amrita Sher-Gil
Bildbeschreibung
Gemälde von Amrita Sher-Gil

Japonismus, Inspiration van Goghs

Nackter Körper, Aufrechte Körperhaltung - bewusste feministische Selbstdarstellung

Weiblicher vs. männlicher Blick, Reaktion Gaugins

Glossar

Definitionen

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